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Praxis-Wissensdatenbank

Grundsätze fairer Entscheidungen

Die Grundsätze fairer Entscheidungen legen klare Kriterien für die Verteilung von Projekten, Arbeitsbelastung, Prämien und Karrierechancen fest.

Organisation fair-decision-making
Dokumentationsabschnitte

Was ist das

Es handelt sich um ein kurzes Set von Regeln und Checklisten, anhand derer die Führungskraft wiederkehrende Entscheidungen über Ressourcen und Chancen trifft. Die Methode hilft, sachliche Kriterien von persönlichen Vorlieben zu trennen, strittige Entscheidungen vorab zu erläutern und Ungleichgewichte bei der Arbeitsbelastung oder beim Zugang zu Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen.

Wann es hilft

  • Im Team wird diskutiert, wer die wichtigen Projekte und anspruchsvollen Aufgaben bekommt.
  • Die Mitarbeitenden verstehen nicht, warum Prämien, Beförderungen oder Weiterbildungen so verteilt werden.
  • Die Arbeitsbelastung wächst ungleichmäßig, und die Kriterien für eine Umverteilung sind nicht benannt.
  • Die Führungskraft möchte die Abhängigkeit der Entscheidungen von persönlicher Sympathie oder kurzfristigem Druck verringern.

Wie man beginnt

  1. 1 Listen Sie die typischen Entscheidungen auf: Projekte, Arbeitsbelastung, Prämien, Weiterbildung, Rollen und Beförderungen.
  2. 2 Legen Sie für jede Entscheidung mehrere Kriterien fest: Beitrag, Kompetenzen, Überlastungsrisiko, Dringlichkeit und Rotation der Chancen.
  3. 3 Erstellen Sie eine kurze Checkliste: welche Daten zu prüfen sind, wen man fragt und wie Ausnahmen dokumentiert werden.
  4. 4 Besprechen Sie die Grundsätze mit dem Team und weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass nicht alle Entscheidungen gleich ausfallen werden, aber jede erklärbar sein muss.
  5. 5 Überprüfen Sie die letzten Entscheidungen auf Schieflagen: Wer bekommt oft die besten Aufgaben, wer ist überlastet und wer erhält selten Chancen.

Erwartete Wirkung

Das Team versteht die Logik von Führungsentscheidungen besser und führt sie seltener auf Günstlingswirtschaft zurück. Der Führungskraft fällt es leichter, schwierige Kompromisse zu erklären und Vertrauen zu erhalten, weil sie die Kriterien offenlegt und Ausnahmen dokumentiert.

Häufige Fehler

  • Die Regeln zu allgemein zu halten: „nach Verdienst“ hilft nicht, wenn die Verdienste nicht beschrieben sind.
  • Vollständige Gleichheit zu versprechen, statt eines fairen und erklärbaren Verfahrens.
  • Ausnahmen nicht zu dokumentieren und dadurch das Vertrauen in die Grundsätze zu zerstören.
  • Die Grundsätze nur für Prämien zu verwenden und Projekte, Arbeitsbelastung und Entwicklung zu ignorieren.

Vertiefende Lektüre

  • Buch: John Rawls, A Theory of Justice.
  • Artikel: W. Chan Kim, Renee Mauborgne, Fair Process: Managing in the Knowledge Economy.
  • Studie: Jason A. Colquitt, On the Dimensionality of Organizational Justice.
  • Studie: Robert J. Bies, Joseph S. Moag, Interactional Justice.

FAQ

Macht das die Entscheidungen nicht zu bürokratisch?

Nein, wenn die Grundsätze kurz sind und als Checkliste dienen, nicht als Reglement von Dutzenden Seiten. Ihre Aufgabe ist es, der Führungskraft Halt und Erklärbarkeit zu geben, nicht das Führungsurteil zu ersetzen.

Sollten alle Kriterien für die Mitarbeitenden sichtbar sein?

Die grundlegenden Kriterien sollten offengelegt werden. Vertrauliche Details können vertraulich bleiben, aber die Entscheidungslogik muss nachvollziehbar sein: welche Faktoren berücksichtigt wurden und warum sie wichtig sind.

Was tun, wenn eine faire Entscheidung trotzdem Unzufriedenheit hervorruft?

Trennen Sie die Unzufriedenheit mit dem Ergebnis vom Vertrauen in das Verfahren. Erläutern Sie die Kriterien, zeigen Sie die geprüften Optionen auf und halten Sie fest, was im nächsten Zyklus verbessert werden kann.