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Praxis-Wissensdatenbank

Peer-to-Peer-Feedback (360°)

Regelmäßiges Feedback von Kollegen, Schnittstellenpartnern und Führungskräften ermöglicht eine umfassendere Betrachtung des Arbeitsverhaltens als die Sichtweise einer einzelnen Führungskraft.

Organisation peer-to-peer-feedback
Dokumentationsabschnitte

Was ist das

Peer-to-Peer-Feedback, auch 360-Grad-Feedback genannt, sammelt Beobachtungen von Personen, die regelmäßig mit den Mitarbeitenden oder dem Team zusammenarbeiten. Die Praxis hilft, wiederkehrende Verhaltensmuster zu erkennen: wie jemand zusammenarbeitet, Entscheidungen trifft, auf Vereinbarungen reagiert und andere beeinflusst. Sie ist nützlich, wenn das Feedback der Entwicklung dient und nicht als verstecktes Instrument zur Bestrafung.

Wann es hilft

  • Die Bewertung des Mitarbeitenden hängt fast ausschließlich von der Meinung der direkten Führungskraft ab.
  • Teams beschweren sich über den Umgangsstil, können aber keine wiederkehrenden Beispiele nennen.
  • Schnittstellenpartner erleben regelmäßig Verzögerungen, schroffe Antworten oder gebrochene Vereinbarungen.
  • Die Führungskraft muss ein Entwicklungsgespräch auf Basis von Beobachtungen vorbereiten, nicht von Gerüchten.
  • Im Unternehmen gibt es starke horizontale Verbindungen, aber Feedback kommt nur von oben nach unten.

Wie man beginnt

  1. 1 Wählen Sie ein kleines Pilotprojekt: ein Team oder eine Rolle, bei der viel Schnittstellenarbeit anfällt.
  2. 2 Definieren Sie 3–5 beobachtbare Kriterien: Einhaltung von Vereinbarungen, Qualität der Zusammenarbeit, Klarheit der Kommunikation.
  3. 3 Benennen Sie einen Prozessverantwortlichen, der die Antworten sammelt, persönliche Angriffe entfernt und eine kurze Zusammenfassung erstellt.
  4. 4 Führen Sie den ersten Zyklus als entwicklungsorientiertes Feedback durch, ohne Einfluss auf Vergütung oder disziplinarische Maßnahmen.
  5. 5 Legen Sie Regeln fest: Wer gibt Feedback, wie wird Vertraulichkeit gewahrt und wie bespricht der Mitarbeitende die Erkenntnisse.

Erwartete Wirkung

Die Führungskraft erhält ein umfassenderes Bild vom Verhalten des Mitarbeitenden oder des Teams. Die Teilnehmenden erkennen, welche Handlungen die Zusammenarbeit mit Kollegen fördern und welche wiederholt zu Reibung, Verzögerungen oder Misstrauen führen.

Häufige Fehler

  • Die Praxis als verdeckte Leistungsbeurteilung zu nutzen: Die Leute beginnen, vorsichtig oder rachsüchtig zu schreiben.
  • Allgemeine Meinungen ohne Verhaltensbeispiele zu sammeln, was die Diskussion und Überprüfung der Erkenntnisse erschwert.
  • Nicht zu erklären, wer die Antworten sieht und wie sie sich auf Entscheidungen über den Mitarbeitenden auswirken.
  • Zu oft Feedback einzuholen, ohne zu zeigen, welche Änderungen aufgrund der Ergebnisse vorgenommen wurden.
  • Entwicklung, Bestrafung und Gehaltsbewertung in einem Zyklus ohne klare Regeln zu vermischen.

Vertiefende Lektüre

  • Buch: Marshall Goldsmith, What Got You Here Won't Get You There
  • Buch: Douglas Stone, Sheila Heen, Thanks for the Feedback
  • Studie: Center for Creative Leadership, Best Practices im 360-Grad-Feedback
  • Buch: Kim Scott, Radical Candor

FAQ

Wer sollte den Prozess verantworten?

Üblicherweise liegt die Verantwortung bei HR oder der Bereichsleitung. Die Teamleitung beteiligt sich an der Auswahl der Kriterien und der Diskussion der Erkenntnisse, sollte unbequemes Feedback jedoch nicht allein filtern.

Kann man ohne externen Berater starten?

Ja, wenn der Umfang klein und die Regeln klar sind. Beginnen Sie mit einem Pilotprojekt, einem kurzen Fragebogen und einer manuellen Zusammenfassung. Externe Hilfe ist nützlich, wenn die Ergebnisse Karriereentscheidungen beeinflussen oder ein hoher Konflikt besteht.

Wie kann man den Widerstand der Teilnehmenden verringern?

Erläutern Sie den Zweck, zeigen Sie die Fragen vorab und trennen Sie den ersten Zyklus von disziplinarischen Maßnahmen und Gehaltsentscheidungen. Die Teilnahme fällt leichter, wenn die Teilnehmenden verstehen, wie die Antworten verwendet werden.

Wie erkennt man, dass die Praxis funktioniert?

Achten Sie darauf, ob nach der Diskussion konkrete Vereinbarungen entstehen, ob die Führungskraft in 1:1-Gesprächen darauf zurückkommt und ob die Anzahl wiederholter Beschwerden über dieselben Arbeitssituationen abnimmt.