Praxis-Wissensdatenbank
Round-Robin-Prozess
Der Round-Robin-Prozess gibt allen Teilnehmenden die gleiche Redezeit, damit das Team auch leisere Meinungen hört und die Diskussion nicht den aktivsten Personen überlässt.
Dokumentationsabschnitte
Was ist das
Der Round-Robin-Prozess ist eine moderierte Diskussion, bei der die Teilnehmenden nacheinander sprechen und die gleiche Zeitbegrenzung erhalten. Das Format hilft, vor einer Entscheidung mehr Perspektiven zu sammeln, Statusdruck zu reduzieren und Schweigen zu einer weniger bequemen Möglichkeit zu machen, einem schwierigen Thema auszuweichen. Die Praxis eignet sich besser für Teamdiskussionen, bei denen unterschiedliche Meinungen wichtig sind, als für dringende operative Entscheidungen.
Wann es hilft
- In Meetings sprechen regelmäßig dieselben Personen, während ein Teil des Teams selbst bei wichtigen Themen schweigt.
- Nach Entscheidungen stellt sich heraus, dass Mitarbeitende Einwände hatten, die in der Diskussion jedoch nicht zur Sprache kamen.
- Das Team bespricht Fehler oder Risiken und befürchtet, dass eine ehrliche Meinung zu Schuldzuweisungen führt.
- Die Führungskraft möchte vor der Entscheidungsfindung die Perspektiven von remote arbeitenden, neuen oder statusniedrigeren Teilnehmenden hören.
Wie man beginnt
- 1 Wählen Sie ein Arbeitsthema, bei dem es wichtig ist, die Meinung des gesamten Teams zu hören: ein Risiko, eine Entscheidung, eine Retrospektive oder eine Prozessänderung.
- 2 Bestimmen Sie einen Moderator, der auf die Reihenfolge, die Zeit und das Recht der Teilnehmenden achtet, ohne Begründung „Pass“ zu sagen.
- 3 Führen Sie die Runde durch: Geben Sie jedem denselben kurzen Zeitrahmen und verbieten Sie Unterbrechungen, Widerspruch oder Bewertungen der Beiträge innerhalb der Runde.
- 4 Halten Sie wiederkehrende Themen und Fragen getrennt von den Namen fest, um den Inhalt zu diskutieren, nicht die Urheber der Aussagen.
- 5 Prüfen Sie am Ende, welche Entscheidungen, Risiken oder nächsten Schritte sich durch die geäußerten Meinungen ergeben haben.
Erwartete Wirkung
Das Team erhält vor der Entscheidung mehr Signale: Zweifel, Risiken und Ideen werden früher geäußert, nicht erst nach dem Meeting. Der Führungskraft fällt es leichter, die Dominanz einzelner Teilnehmender zu erkennen und inhaltliche Einwände von persönlichen Auseinandersetzungen zu trennen.
Häufige Fehler
- Der Moderator räumt der Führungskraft oder den aktivsten Teilnehmenden mehr Zeit ein, und das Format verliert schnell seinen Sinn.
- Antworten werden sofort kommentiert oder angefochten, weshalb die Leute wieder anfangen, unbequeme Gedanken zu filtern.
- Die Runde wird für Themen genutzt, bei denen die Entscheidung bereits gefallen ist, und die Teilnehmenden empfinden das Treffen als Formalität.
- Schweigen wird verboten oder es wird beschämt, wenn jemand nicht sprechen möchte, obwohl das Recht, eine Runde auszulassen, die Sicherheit stärkt.
Vertiefende Lektüre
- Buch: Amy C. Edmondson, The Fearless Organization
- Buch: Sam Kaner, Facilitator's Guide to Participatory Decision-Making
- Buch: Patrick M. Lencioni, The Five Dysfunctions of a Team
- Studie: Google re:Work, Project Aristotle über psychologische Sicherheit in Teams
FAQ
Wer sollte den Round-Robin-Prozess leiten?
In der Regel leitet die Führungskraft oder ein neutraler Moderator. Wichtig ist, dass die leitende Person nicht mit den Antworten streitet, auf die Zeit achtet und gleiche Regeln für alle Teilnehmenden gewährleistet.
Kann man ohne externen Berater beginnen?
Ja. Für das erste Meeting genügt es, ein konkretes Thema auszuwählen, die Reihenfolge der Wortmeldungen festzulegen, Kommentare zu begrenzen und die Hauptthemen ohne Namensnennung festzuhalten.
Was tun, wenn die Leute trotzdem schweigen?
Erlauben Sie kurze Beiträge oder ein „Pass“, beginnen Sie mit einem weniger riskanten Thema und bitten Sie die Führungskraft, sich erst nach den anderen zu äußern. So verringert sich der Statusdruck.
Woran erkennt man, dass die Praxis funktioniert?
Achten Sie darauf, ob in Meetings neue Stimmen zu Wort kommen, es mehr frühzeitige Warnungen vor Risiken gibt und weniger Situationen auftreten, in denen Einwände erst nach der Entscheidung aufkommen.